In deinen Beispielen steckt kein Genitivobjekt, sondern jeweils ein Genitivattribut.
Warum? Ein Genitivobjekt ist ein Satzglied, das vom Verb verlangt wird, z. B. bei Verben wie gedenken, sich erinnern, sich bedienen:
Er gedenkt der Opfer: Das Verb fordert den Genitiv.
Er rühmt sich guter Taten. Wessen rühmt er sich? Guter Taten. Auch hier Genitiv.
In deinen Sätzen hängt der Genitiv jedoch nicht am Verb, sondern an einem Nomen:
Der Besitzer des Koffers – „des Koffers“ bestimmt Besitzer näher.
Das Boot meines Vaters – „meines Vaters“ bestimmt Boot näher.
Die Kinder der Nachbarin – „der Nachbarin“ bestimmt Kinder näher.
Das sind alles Genitivattribute. Sie gehören zum Nomen, nicht zum Verb.
Der gesamte Ausdruck (die Kinder der Nachbarin) ist ein eigenes Satzglied, das Genitivattribut ist nur ein Bestandteil davon.
Die Verwechslungsgefahr kommt daher, dass man sowohl beim Genitivobjekt als auch beim Genitivattribut mit „Wessen?“ fragen kann. Der Unterschied liegt aber immer darin, wo man fragt: Beim Verb = Objekt (nur bei bestimmten Verben im Genitiv); Beim Nomen = Attribut
In manchen Schulbüchern wird bei der Frage „Wessen?“ vereinfachend von Genitiv gesprochen, ohne dabei zwischen Objekt und Attribut zu unterscheiden. Grammatisch korrekt ist jedoch: In deinen Beispielen handelt es sich eindeutig um Genitivattribute, da der Genitiv jeweils ein Nomen näher bestimmt.
Hier ist es auch ganz gut erklärt: https://online-lernen.levrai.de/deutsch-uebungen/grammatik_5_7/11_genitivobjekte/00_genitivobjekte_regeln.htm
Ich hoffe, das bringt etwas mehr Klarheit! Und ja, Grammatik ist manchmal kompliziert!